Strategie und Taktik

Die Praxis der Tiefen Geoenergie beschäftigt sich heute noch vorwiegend mit Hydro-Geothermie, zumindest in Europa. Damit wird in erster Linie Wärme produziert, kaum aber Strom. Hydro-Geoenergie unterliegt einem Fündigkeitsrisiko. Aufgrund des meist sehr beschränkten Vorkommens, bleibt der Versorgungsbeitrag der Hydro-Geoenergie heute und auch in Zukunft marginal. Ganz im Gegensatz zur Petro-Geoenergie: Diese kann einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, wenn es gelingt, die im Übermass vorhandene Petro-Geoenergie nachhaltig zu erschliessen und zu fördern.

Die Offene Petro-Geoenergie (OPG), gleichbedeutend zu HDR (Hot Dry Rock) oder EGS (Enhanced Geothermal System) kann gleichzeitig Strom und Wärme produzieren. OPG steht aber seit den künstlich ausgelösten, obwohl relativ geringen Erdbeben in Basel und St.Gallen in der Kritik und scheint, zumindest im Moment, für die Schweiz keine optimale Option mehr zu sein.

Die Geschlossene Petro-Geoenergie (GPG) wird zur Wärmeproduktion seit anfangs der 1990er Jahre an verschieden Orten eingesetzt: Beispielsweise in Weggis (CH) oder Prenzlau (D). Die Wärme wird mittels „Tiefer Erd-Wärme-Sonde“ (TEWS) gewonnen, bis heute jedoch in Tiefen klar unter 5000 m.

Die Strategie der SwissGeoPower (SGP) fokussiert auf eine „Super-TEWS“, die klar unter 5000 m, bis in 9000 m Tiefe reicht und so primär zur Stromproduktion dienen kann. Das Funktionsprinzip der Super-TEWS entspricht jenem der heute bereits viel tausendfach  eingesetzten und bewährten TEWS. Damit entscheidet sich die SGP für einen geschlossenen Wärmetauscher, der keine induzierte Seismizität (künstliche Erdbeben) bedingt.

Die Taktik der SGP ergibt sich aus der Tatsache, dass der effiziente Wärmetausch eine genügend grosse Oberfläche der Super-TEWS verlangt. Die genügend grosse Oberfläche bedingt grosskalibrige Bohrungen bis in grosse Tiefen und für deren Wirtschaftlichkeit ein kostengünstiges Bohrverfahren, wie das von der SGP favorisierte „Electro-Pulse-Boring“ (EPB).

Mittels EPB will die SGP ein GPG-Kraftwerk realisieren, primär zur Produktion von Strom und sekundär von Wärme. Dazu soll in einem ersten Schritt eine Super-TEWS (9 km) mit einer Leistung von 1 MWel erstellt werden. In einem zweiten Schritt soll das  1 MWel Pilotprojekt der Super-TEWS durch bis zu 18 Schrägbohrungen (von 6000–9000 m) erweitert und auf bis zu 25 MWel zu einem Leuchtturmprojekt ausgebaut werden, ganz im Sinne der 5. Massnahme des bundesrätlichen Energiepakets 2050.

Strategie und Taktik im Detail